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K.I.S.S. oder einfach nur öde? Webseiten zielgruppengerecht texten

30. März 2010 . von Barbara Frolik . 10 Kommentare
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Vor einiger Zeit habe ich hier eine Artikelserie zum Thema Schreiben fürs Internet veröffentlicht. Unter anderem schrieb ich darüber, wie wichtig es ist, Webtexte kurz und einfach zu formulieren. Neulich hat einer meiner Leser die Kritik geäussert, dass kurze und einfache Texte ganz schön öde seien. Ein nicht ganz unberechtigter Einwand, wie ich finde. Deshalb möchte ich heute etwas mehr darüber schreiben, wie man den richtigen Schreibstil für eine bestimmte Zielgruppe findet.

Webseiten zielgruppengerecht texten
Bild: pixelio.de by~sassi

K.I.S.S. als Grundlage eines guten Schreibstils

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass kurze und einfache Formulierungen zu einem guten Schreibstil gehören. Wie kurz und einfach Texte sein müssen, ist jedoch Definitionssache. Wenn man es übertreibt, leidet die Qualität, und manch einer wird sich langweilen. Sind die Texte zu kompliziert, vergeht selbst dem intelligentesten Besucher die Lust am Weiterlesen. Das gilt ein Stück weit für alle Textsorten, ganz besonders aber für Webtexte.

Verkaufsstarke Texte für grosse Zielgruppen

Wer eine grosse Zielgruppe ansprechen will, für den ist K.I.S.S. Pflicht. Der durchschnittliche Internetnutzer hat wenig Zeit. Deshalb ist es wichtig, dass die zentralen Botschaften auf den ersten Blick erkennbar sind. Leider ist es aber auch so, dass überraschend viele Menschen sprachliche Schwierigkeiten haben und teilweise auch einfache Texte nur mit Mühe verstehen. Wer diese Kundengruppe nicht verlieren will, stellt sich am besten vor, für einen 13-Jährigen zu schreiben.

Webseiten zielgruppengerecht texten
Bild: stock.xchng

Nicht zuletzt hat Werbung viel damit zu tun, auch das Unterbewusstsein potenzieller Kunden anzusprechen. Das Unterbewusstsein befindet sich auf dem sprachlichen Niveau eines kleinen Kindes und versteht klare und einfache Aussagen am besten. Auch aus diesem Grund ist ein einfacher Schreibstil also wichtig, wenn man eine grosse Zielgruppe im Visier hat.

Der richtige Schreibstil für kleine Zielgruppen

Je kleiner deine Zielgruppe, desto mehr Möglichkeiten hast du, deine Texte für deine Leserschaft masszuschneidern. Wenn du beispielsweise Blog-Artikel für Web-Entwickler schreibst, ist es absolut in Ordnung, Fachbegriffe zu verwenden, die nur fortgeschrittene Programmierer verstehen. Ein gewisses Niveau ist in diesem Fall sogar wichtig, damit sich deine Leser nicht langweilen. Möchtest du Webdesign-Anfänger ansprechen, müssen deine Texte einfacher sein. Fachbegriffe wirst du etwas sparsamer verwenden oder zumindest erklären müssen. Ausserdem wirst du insgesamt einfachere Themen wählen.

Fazit

Auch fürs Web gibt es nicht den perfekten Schreibstil. Webtexte sollten zwar grundsätzlich leichter verdaulich sein als gedruckte Texte. Schlussendlich musst du dich aber nach deiner Zielgruppe richten. Überlege dir genau, was du mit deinen Texten erreichen willst und wen sie überzeugen sollen. Dann wird dir relativ schnell klar sein, wie sehr du vom K.I.S.S.-Prinzip abweichen kannst, ohne deine Leser zu vertreiben.

Jetzt bist du dran!

Hast du Fragen oder möchtest du etwas Wichtiges ergänzen? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

10 Kommentare

  • Tina sagt am 30. März 2010

    Hallo Barbara!
    Zuerst möchte ich den Goldenen Regeln zustimmen, allerdings finde ich es schade, dass den Lesern wenig Kompetenz zugetraut wird. Den eigenen Stil auf ein niedriges Niveau herunter zu schrauben, halte ich für bedenklich. Selbst Werbetexte sollten meines Erachtens nicht zu flach und kantenlos formuliert werden. Wie könnte sich ein Autor von der Masse abheben, wenn nur noch ein klinisch bereinigter Stil gewünscht wäre? Zudem ist Werbetext nicht gleich Werbetext und es muss von Fall zu Fall die Stilfrage beantwortet werden, wie Du richtig andeutest (Zielgruppe).

    Btw: Ich brauchte einen Augenblick, bis ich die Bedeutung von K.I.S.S. erfasste. Vielleicht hättest Du auch in diesem Beitrag die Abkürzung ausschreiben können – der Verständlichkeit wegen. Oder übersah ich das?

    Ansonsten liebe Grüße in die Schweiz – oder besser: Grüsse? ;-) – ich lese Deine Beiträge sehr gerne und finde auch das Blog-Design gelungen! Weiter so!

    Tina

    P.S. Glücklicherweise kenne ich 13jährige, die durchaus Texte mit Anspruch problemlos erfassen können. ;-)

  • Barbara sagt am 30. März 2010

    @Tina: Vielen Dank für deinen Kommentar. Das stimmt schon, was du schreibst. Ich meinte natürlich nicht, dass Werbetexte flach und langweilig sein müssen. Im Gegenteil: Werbetexte müssen Aufmerksamkeit erregen, gleichzeitig aber verständlich sein. Das ist die grosse Kunst, die man als Werbetexter beherrschen muss.

    Ein Beispiel aus der Praxis: Ich soll Texte für einen Online-Wettbewerb schreiben. Dafür überlege ich mir ein originelles Naming und knackige Headlines. Dazu ein lebendiger, vielleicht auch etwas reisserischer Einleitungstext, der zum Mitmachen motiviert (mit langweiligen Texten läuft gar nichts). Der Einleitungstext muss auf jeden Fall kurz sein, sonst liest ihn keiner.
    An einer anderen Stelle gibt es vielleicht eine etwas ausführlichere Anleitung, die so verständlich wie möglich erklärt, wie das Spiel funktioniert. Verständlich heisst aber auch hier nicht langweilig.

    Wie ich oben schon angedeutet habe, gehören gut lesbare Formulierungen zu einem einwandfreien Schreibstil. Natürlich muss man das Niveau nicht so stark senken, dass die Qualität der Texte leidet. Die Qualität ist in der Regel aber besser, wenn die Texte nicht zu kompliziert sind (unnötige Fremdwörter, übertrieben viele Passiv-Formulierungen, Schachtelsätze, etc.). Die meisten Schreiber neigen dazu, zu umständlich zu formulieren. Für jene sind meine Tipps gedacht ;)

  • Tina sagt am 30. März 2010

    Schachtelsätze waren einst sehr beliebt, die hohe Kunst des Schreibens bestand darin, möglichst lange Sätze zu bilden. ;-)

    Es beruhigt, dass Deine Tipps auf “Kompliziert-Schreiber” abzielen. :-)

  • Barbara sagt am 30. März 2010

    @Tina: Da hast du recht. Ich bin schon ganz gespannt, wie man in 50 Jahren schreibt :)

  • Michael sagt am 31. März 2010

    Hallo,
    erst einmal Herzlichen Glückwunsch zum t3n-Beitrag und der Krönung des Blog der Woche.
    Viel Spaß und Muse weiterhin!

    Siehe: http://t3n.de/news/blog-woche-wordweb-blog-blog-wichtiges-269865/

    Auch dein aktueller Beitrag ist wieder sehr interessant.

    Gruß

    Micha

  • Barbara sagt am 31. März 2010

    @Michael: Vielen Dank :) Ich freue mich natürlich sehr über den Beitrag bei t3n. Besonders, weil ich so etwas nicht im Geringsten erwartet hätte.
    Und schön, dass dir mein aktueller Artikel gefällt :)
    Vielen Dank für die guten Wünsche.

  • Manuel sagt am 31. März 2010

    Vielen Dank Barbara
    für diesen tollen Artikel, da konnte ich wiedereinmal einiges lernen ;-)
    und ebenfalls Glückwunsch für das Feature bei T3n Blog der Woche :-) das ist echt genial, :-)
    ich bin großer Fan vom Wordweb-Blog :-)
    viele liebe Grüße
    Manuel

  • Ellen sagt am 31. März 2010

    Vielen Dank für deinen interessanten Beitrag und die spannende Diskussion in den Kommentaren. Das Thema ist wirklich interessant!

    Meiner Meinung nach es ist sehr wichtig, sich immer in seine Zielgruppe hinein zu versetzen. Das ist natürlich oft schwierig. Bei meinem Blog “Gertis Pc Tipps”, einem Blog mit PC-Tipps für ältere Menschen, merke ich das z.B. immer wieder. Da muss ich mich immer ein wenig mit PC-Fachausdrücken zurückhalten, die für eine jüngere Generation eventuell selbstverständlich sind.

    Trotzdem finde ich es sehr wichtig niemanden zu unterfordern, und wenn man Fachbegriffe oder englische Wörter gut erklärt, klappt das eigentlich auch prima :-)

    Viele Grüße
    Ellen

    PS: Auch ich möchte dir noch ganz herzlich zu deinem t3n-Feature gratulieren. Echt super-klasse :-)

  • Barbara sagt am 1. April 2010

    @Ellen und @Manuel: Vielen Dank für eure Kommentare und die guten Wünsche :)
    Gertis Blog hatte ich beim Schreiben dieses Artikels auch im Kopf. Wenn ich einen Beitrag für Gerti verfasse, gebe ich mir auch immer ganz viel Mühe, möglichst verständlich zu schreiben. Bis jetzt klappt das eigentlich gut, und ich habe nicht das Gefühl, die Leser in irgendeiner Weise zu unterfordern :)

  • Ralf Pregens sagt am 22. Juli 2010

    Oftmals kommt es bei Website-Texten auch nur auf das eine winzige Element an, das der Besucher gerade individuell sucht. Irgend ein Informationsschnippsel, weswegen er auf der Suche ist. Da ist dann der Text lediglich Verpackung, oder wenn man will auch Ansammlung von thematisch zusammenhängenden Daten. Wenn ich die Buttermenge im Streuselkuchenrezept suche, dann wäre das so ein typisches Beispiel.
    Daß mal jemand genußvoll Lesen will, passiert doch eher im Buch oder in der Zeitschrift, bzw. auf Internetverhältnisse übertragen, im online-Magazin oder auch im tagebuchartigen Blog.

    Ralf

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