Suchmaschinenoptimierte Texte sind im Moment sehr gefragt. Viele Auftraggeber verstehen darunter vor allem eines: Texte mit einer möglichst hohen Keyword-Dichte. Gefordert werden üblicherweise zwischen 3 und 8 Prozent. Auch viele Texter konzentrieren sich hauptsächlich auf die Keyword-Dichte. Auf die Gesamtqualität der Texte wirkt sich dies jedoch nicht unbedingt positiv aus. Dass die Keyword-Dichte nur eines von vielen SEO-Kriterien ist, vergisst man dabei leicht.
Erst kürzlich habe ich gedacht: Als die SEO noch nicht so hoch im Kurs war, machte das Texten viel mehr Spass. Man konnte sich voll und ganz auf all die sprachlichen Feinheiten, einen schönen Stil und eine möglichst hohe Werbewirksamkeit konzentrieren. Suchmaschinenfreundlichkeit und Werbewirksamkeit schliessen sich zwar nicht unbedingt aus. Wenn man beim Texten ständig die SEO im Hinterkopf hat, besteht jedoch die Gefahr, dass man die menschlichen Leser zu stark vernachlässigt. Die Texte sind zwar einigermassen gut verständlich, für Kreativität und eine reichhaltige Wortwahl ist aber kein Platz, selbst wenn die Qualität der Texte davon profitieren würde. Dies geht so weit, dass das treffendere Wort einem nicht ganz idealen Ausdruck weichen muss, nur weil letzterer suchmaschinenfreundlicher ist.
Ein typisches Bespiel aus der Praxis: Ein Kunde bestellt suchmaschinenoptimierte Texte für seine Website. Um die Keyword-Recherche hat sich eine technische Agentur bereits gekümmert. Vor dem Texten bekomme ich also eine Liste von Stichwörtern mit besonders hohem SEO-Potenzial. Meine Aufgabe ist es, möglichst viele dieser Keywords in die Texte einzubauen – mit einer Dichte von 3 bis 8 Prozent. Das Problem: Ob die Keywords wirklich zu den Inhalten passen, hat bis jetzt niemanden interessiert.
Es wartet also eine recht knifflige Aufgabe auf mich. Einige Keywords kann ich relativ problemlos einbauen, insgesamt muss ich aber viele Kompromisse eingehen. Mit dem SEO-Ziel im Hinterkopf platziere ich Keywords in den Texten, die mir nicht im Entferntesten in den Sinn kämen, wenn ich rein werbeorientiert schreiben würde. Das Resultat: Nach zwei anstrengenden Tagen liefere ich ein perfekt suchmaschinenoptimiertes Contentbook ab, mit dem der Kunde sich aber nicht so recht identifizieren kann. Was nun? Meine Antwort ist klar: Im Zweifelsfall ist die Werbebotschaft wichtiger. Es bringt nichts, die Texte so stark für die Suchmaschinen zu optimieren, dass Menschen nichts mehr damit anfangen können.
Bei der ganzen Fixierung auf die Keyword-Dichte vergisst man gerne, dass es noch viele weitere Möglichkeiten gibt, eine Website für die Suchmaschinen zu optimieren. Die meisten davon sind für den Besucher recht unauffällig und beeinträchtigen die Inhaltsqualität kaum. So kann man beispielsweise auch Bildnamen, ALT-Beschreibungen oder die interne bzw. externe Verlinkung suchmaschinenfreundlich gestalten. Eine umfangreiche Sammlung von SEO-Möglichkeiten findest du beispielsweise auf diesen Seiten:
Kommt noch dazu, dass die Suchmaschinen ständig schlauer werden und die Semantik von Web-Inhalten verstehen lernen. Das heisst, dass beispielsweise auch inhaltlich miteinander verwandte Wörter in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen werden.
Dass es nicht nötig ist, den Fliesstext in übertriebenem Ausmass mit Keywords zu füllen, beweist übrigens auch ein Blick auf diverse Webseiten, die bei Google ganz oben platziert sind. Suche ich zum Beispiel nach dem Stichwort «Texter», finde ich auf den ersten beiden Positionen die Webseiten von Aurel Gergey und Supertext. Auf beiden Seiten kommt das Keyword «Texter» aber nicht extrem häufig vor.
Was denkst du über dieses Thema? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!
“Dies geht so weit, dass das treffendere Wort einem nicht ganz idealen Ausdruck weichen muss,..” Gerade wegen der Semantik sollte man auch Synonyme und verwandte Wörter in den SEO Text packen. Google versucht ja soweit wie möglich Texte höher zu bewerten, die für Menschen geschrieben werden. Dass bisher so viel Wert auf Keyworddichte gelegt wurde, lag ja nur an fehlendem Knowhow des Algorithmus(ses?). Ich denke, wenn man primär für Menschen schreibt und danch für die Maschine noch ein paar Wörter einbaut, ist man langfristig besser bedient.
Dass Aurel Gergey und Supertext oben landen, liegt wahrscheinlich daran, dass diese oft mit dem Wort “Texter” verlinkt wurden. Genau so, wie die Suche nach “click here” den Adobe Reader liefert, weil der eben am meisten mit “click here” verlinkt wurde.
Super Artikel, der das (und auch mein) Dilema zum Ausdruck bringt. Mensch oder Maschine – ich würde auch immer für Menschen schreiben. Übrigens verhält es sich mit dem Suchwort “hier” auch ähnlich wie bei Deinem Beispiel “Texter”. Bei “hier” findet sich in den Google Suchergebnissen an erster Stelle (!) die Seite von Acrobat mit dem Adobe Reader. Und das Wort ist auf deren Seite nicht zu finden (zumindest habe ich es nicht gefunden).
Das unterstreicht auch nochmal die Bedeutung der backlinks!
Gruß Ute
Das das auch mit “click here” funktionert war mir nicht bewußt, erscheint aber logisch.
Wichtiger als der Fokus auf eine hohe Keyword-Dichte ist (neben der oben bereits in den Kommentaren angedeuteten empfehlenswerten Variation der Keywords durch Synonyme, verwandte Begriffe sowie sinnvolle “Konzepte”) die stringente Verwendung der für die jeweilige Seite relevanten Keywords in:
- Page-Title
- Meta-Description
- H1, H2 und H3-Headline
- strong- und em-Tag
- alt- und title-Tags
- Internen Link-Texten (!)
Und das alles ohne den Leser vor den Kopf zu stoßen – im Zweifelsfall gehen die Nutzer einfach vor!
Sorgt man begleitend für einen sinnstiftenden Zusammenhang von externen, thematisch passenden Seiten mit keyword-relevanten Link-Texten, dann reicht nach meiner Erfahrungen eine lesefreundliche Keyword-Dichte von 1-2% vollkommen aus…
… und dafür muss man nicht mal besonderes darauf achten die relevanten Begriffe im Text zu verwenden, da diese Dichte in natürlichen Textstrukturen problemlos zu erreichen ist!
Super Artikel, die Diskussion mit dem Kunden ist nicht immer ganz einfach, zu mal eben Verkäufe dann durch richtige Werbe-Texte generiert werden und hier ist meines Erachtens der Ansatz in der Auswahl der Keywords zu sehen, wenn das richtig recherchiert wird und mit dem Kunden abgestimmt, dann hat es der Texter auch einfacher. Oh wie einfach war es doch mal ganz ganz früher *lach* da haben wir die Metatags bearbeitet und es gab bessere Plätze, nur war da der Googler noch nicht an der Macht :-) So lange beschäftige ich mich schon mit den Suchmaschinen.
Vielen Dank für eure Kommentare :)
@Elias: Ja, so etwas Ähnliches vermute ich auch. Und ja, aus meiner Erfahrung ist es besser, beim ersten Durchgang möglichst gar nicht an die Maschinen zu denken. Nachträglich optimierte Texte sind in der Regel besser.
@Ute: Ich bin auch der Meinung, dass man primär für die Menschen schreiben sollte. Denn auf die Besucher sollen die Inhalte schliesslich überzeugend wirken. Bei mir hat jedenfalls noch keine Suchmaschine einen Text oder eine Website bestellt ;)
@Sebastian: Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Wenn man die von dir genannten Möglichkeiten so gut wie möglich ausschöpft, reicht eine natürliche Keyword-Dichte von 1 oder 2 Prozent oft aus. Es kommt natürlich auf das jeweilige Keyword an. Wenn man hauptsächlich für die Besucher schreibt, hat dies vor allem auch den Vorteil, dass man automatisch mehr Backlinks von anderen Webseiten bekommt. Gerade Blog-Artikel werden oft verlinkt.
@Frau Doktor: An diese Zeiten kann ich mich auch erinnern ;) Meine erste Website ging 1997 online. Damals war alles noch sooo einfach. Insgesamt bin ich aber sehr froh, dass ich meine Projekte nicht mehr mit 90er-Jahre-Technologien umsetzen muss ;)
Ich denke da auch dass es eine ausgewogene Mischung zwischen Text für Mensch und Text für Maschine sein muss. Auf eine ausgewogene Keyworddensity zu achten, als auch bei der Keywordverwendung Keywordstamming zu betreiben, halte ich gleichermaßen für wichtig.. Allerdings ist es auch eine Herausforderung für sich da den besten Mittelweg zu finden.
ansonst schöner Bericht..
gruß sub
Es ist einfach wichtig, dass der Sinn passt. Sinnloses Aneinanderreihen von Keywords und Füllwörtern wird bereits von google abgestraft. In Zukunft – meine Persönliche Meinung – wird google dies noch mehr abstrafen.
Also ich finde es besser für den Menschen zu schreiben, denn was bringt es, wenn man mit einer hohen Keyworddichte weit vorn bei Google steht, die Besucher aber die Seite wieder sofort verlassen, weil sich die Texte nicht flüssig lesen lassen. Allerdings ein wenig Optimierung der Keyworddichte ist schon ok. Der Text sollte allerdings trotzdem für den Besucher ansprechend bleiben, denn so wird auch eine Conversion erzielt oder die Seite viral kommuniziert.
LG
squizzel
Es ist zweifellos eine hohe Kunst, Texte so zu verfassen, dass sie einerseits möglichst suchmaschinenfreundlich sind, andererseits aber die Leserfreundlichkeit daran nicht leiden soll. Bzw. sollte IMHO das oberste Ziel immer sein, dass ein Text den Leser im wahrsten Sinne des Wortes anspricht. Diesen Ansprüchen kann wohl ein “echter SEO-Text” kaum genügen. Er wird quasi zwangsläufig gekünstelt anmuten. Ich lasse mich aber gerne an einem konkreten Beispiel von dem Gegenteil überzeugen. ;-)
Den Spagat zwischen für Menschen und für Maschinen zu texten ist m.E ein zentrales Problem des SEO Marketings und der häufigste Fehler.
Interessantes Thema. Ich finde in letzter Instanz schreibt man für seine Besucher und nicht für den Google-Bot. Ein gewisses Maß an “SEO” in den Texten ist unabdingbar – ich denke da sind wir uns einig. Aber die Qualität (Nutzen und Lesbarkeit für den Besucher) des Textes darf niemals darunter leiden.
Stehe angesichts dieses Themas noch in den Kinderschuhen. Werde mich aber wohl oder übel noch damit auseinandersetzen müssen. Die menschliche Komponente der Textauswahl sollte m.E jedoch immer überwiegen. Letztlich sind die es ja die überzeugt werden wollen.
Die optimale Keyworddichte ist die, die nicht auffällt;-)