Im ersten Augenblick mag dies etwas befremdend klingen, aber es ist wahr: Wer fürs Internet textet, stellt sich am besten vor, für ein 12- bis 13-jähriges Kind zu schreiben. Neue Studien zeigen, dass ungefähr jeder sechste Schweizer nicht gut genug lesen kann, um einen einfachen Text zu verstehen.
Gemäss einer aktuellen Studie von Pfizer lesen bis zu 43% der Internetnutzer auf dem Niveau eines Sechstklässlers. Aber auch gebildete Besucher schätzen einfache Texte. Denn die meisten Internetnutzer vertrödeln ihre Zeit nicht gerne mit komplizierten Sätzen.
Kurze Sätze sind viel angenehmer zu lesen als lange. Sie machen den Text flüssig und verständlich. Zehn bis 15 Wörter reichen in der Regel. Viel mehr als 20 sollten es auf keinen Fall sein. Schachtelsätze solltest du unbedingt vermeiden. Den meisten Besuchern vergeht die Lust am Lesen, wenn sie den Satz erst beim dritten Versuch verstehen.

Credit: pixelio.de Sigrid Roßmann
Schlecht: Nachdem wir uns alle frisch gemacht hatten und mit dem Frühstück fertig waren, zogen wir unsere Schuhe an und gingen – als ich endlich meine Geldbörse in meinem Chaos gefunden hatte – aus dem Haus.
Besser: Wir machten uns alle frisch und genossen unser Frühstück. Als wir unsere Schuhe angezogen hatten, merkte ich, dass meine Geldbörse fehlte. Endlich fand ich sie in meinem Chaos. Dann gingen wir aus dem Haus.
Deutsche Wörter sind meist besser verständlich als Fremdwörter. Je nach Thema ist es nicht immer möglich, Fremdwörtern ganz aus dem Weg zu gehen. Man sollte sie jedoch nur dann einsetzen, wenn sie wirklich sinnvoll sind. Und sie wenn nötig erklären.

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Schlecht: Der CSS-Code {text-transform: uppercase} transformiert Minuskeln in Majuskeln.
Besser: Der CSS-Code {text-transform: uppercase} verwandelt Kleinbuchstaben in Grossbuchstaben.
Auch diese Regel lässt sich nicht immer umsetzen. Viele englische Wörter haben sich in der deutschen Sprache so weit eingebürgert, dass es gar keine deutsche Entsprechung gibt. Ein Browser ist nun mal ein Browser.

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Manchmal ist es ausserdem sinnvoll, das englische Wort zu verwenden, obwohl es eine gute deutsche Alternative gibt. Beispiel: der gute alte Computer. Man könnte ihn auch einen Rechner nennen. Das klingt sogar schöner. Das Wort «Computer» ist jedoch gebräuchlicher. Wenn du in deinem Online-Shop also Computer verkaufst und möchtest, dass viele Google-Nutzer deine Seite finden, verzichtest du besser auf den Rechner und verwendest das Wort «Computer» so oft wie möglich.
In allen anderen Fällen solltest du englische Wörter durch deutsche ersetzen. Der Text wird dadurch in der Regel besser lesbar.
Schlecht: Hier können Sie das User-Manual downloaden.
Besser: Hier können Sie das Benutzerhandbuch herunterladen.
Aktive Formulierungen sind einfacher verständlich als passive und machen den Text lebendiger. Aktive Sätze sind zudem meist kürzer.

Credit: pixelio.de Ivi
Schlecht: Der Zaun wurde von den Schafen durchbrochen.
Besser: Die Schafe durchbrachen den Zaun.
Das Wörtchen «nicht» ist oft ein Wort zu viel. Positive Formulierungen sind kürzer. Ausserdem versteht das Unterbewusstsein negative Formulierungen nicht. Besonders bei Werbetexten sind positive Aussagen deshalb Pflicht!

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Schlecht: Das Schaf findet es nicht gut, wenn auf der Weide kein Gras wächst.
Besser: Das Schaf findet es gut, wenn auf der Weide viel Gras wächst.
Verben machen den Text aktiver und lebendiger. Sie erzählen direkt vom Geschehen und helfen dem Leser, sich die beschriebene Situation bildhaft vorzustellen. Umgekehrt wirken substantivierte Verben trocken und klingen nach Beamtendeutsch.

Credit: pixelio.de S. Hofschlaeger
Schlecht: Das Lesen des Buches nahm mehrere Tage in Anspruch.
Besser: Ich brauchte mehrere Tage, um das Buch zu lesen.
Füllwörter sind unnötiger Ballast. Also raus damit! Füllwörter sind zum Beispiel: dann, doch, eigentlich, gar, irgendwie, mehr oder weniger, überhaupt, ziemlich.

Credit: stock.xchng
Schlecht: Von der Pizza wurde mir dann ziemlich schlecht.
Besser: Von der Pizza wurde mir schlecht.
Dass man ab und zu einen Tippfehler macht, ist normal. Zu viele Tippfehler sollte man aber unbedingt vermeiden. Sie machen den Text unleserlich und wirken unordentlich. Besonders auf einer geschäftlichen Webseite sind zu viele Fehler unverzeihlich. Wer kein besonders gutes Sprachgefühl hat und eigene Fehler beim Durchlesen nicht sieht, sollte seine Texte gegenlesen lassen (klar, dass ich das sagen muss, aber es stimmt). Alles andere macht einen unprofessionellen Eindruck.

Credit: pixelio.de Rita Köhler
Schlecht: AlLe Schafe hattenAngst beim Zaehlen vergssen zu %werden.
Besser: Alle Schafe hatten Angst, beim Zählen vergessen zu werden.
Dies war der zweite Artikel meiner Serie zum Thema «Schreiben fürs Internet – goldene Regeln». Der dritte Artikel folgt in den nächsten ein bis zwei Wochen. Er wird sich mit dem Thema «Suchmaschinen» beschäftigen. Bis dann! Dranbleiben lohnt sich.
Hallo :-)
Fabienne und Markus haben mich auf Deine Seite aufmerksam gemacht. Die ist wirklich cool :-) Und gute (wie auch wahre) Tipps :-)
Vielen Dank für den netten Kommentar. Dein Blog kommt mir übrigens bekannt vor. Ist bei Blogoscoop die Nr. 1 auf meiner Nachbar-Blog-Liste ;)
Guter Artikel. Ich betrachte zurück meinem Grammatikhandbuch von der Schule manchmal, um zu versuchen, mein Schreiben zu verbessern. Dank für den Rat.
Oh, ich glaube, wenn es darum geht, einfache Sätze zu schreiben, bin ich ziemlich rückständig.
Es klingt einfach ziemlich simpel und öde, wenn alle Sätze nach 10 Wörtern enden, wenn der Text keine Fachwörter enthält und alle Formulierungen so simpel wie möglich sein sollen.
Auch auf so manche Füllwörter will ich nicht verzichten, außerdem machen diese auch den persönlichen Schreibstil aus.
Reduziere ich alles auf die Informationen und lasse die Art des Geschriebenen außer Acht, so ist das Ergebnis in meinen Augen normalerweise mehr als trocken…
Hallo Barbara,
nach ein paar sehr interessanten Posts von Dir, gerade zum Thema “Texten fürs Internet”, muss ich Dir mein Lob für deinen Blog aussprechen. Gefällt mir sehr gut …
Gruß Steve
Liebe Barbara,
ich bereite gerade meinen ersten Blog vor und bin dabei auf deinen Blog gestoßen. Vielen Dank für die vielen wertvollen Tipps! Werde mich bemühen, das meiste davon umzusetzen.
LG Stefan
Danke für die Tipps! Sie hören sich so einfach an, sind in der Umsetzung aber oft bestimmt sehr schwer.