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Schreiben fürs Internet: Regel #1

3. Juli 2009 . von Barbara Frolik . 2 Kommentare
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Goldene Regel #1: Finger weg von der Broschüre!

Vorhandenes Print-Material als Grundlage für die neue Webseite zu verwenden, ist verlockend. Wieso Zeit und Geld in neue Texte investieren, wenn bereits genügend schriftliche Informationen in Form von Broschüren, Flyern oder Zeitschriftenartikeln vorliegen? Diese Überlegung machen sich viele. Und liegen damit falsch.

Schreiben fürs Internet – goldene Regeln
Credit: stock.xchng

Internetnutzer lesen anders.

Website-Besucher wollen vor allem eins: die gesuchten Informationen schnell finden. Der typische Internetnutzer ist nicht bereit, viel Zeit ins Lesen langer Texte zu investieren. Die ersten paar Sekunden verbringt er damit, den gesamten Inhalt der Website zu überfliegen (scannen). Findet er in dieser Zeit nichts Relevantes, ist er sofort wieder weg.

Übersichtlichkeit ist das oberste Gebot.

Besonders wichtig ist eine übersichtliche Navigation. Lange Inhaltsverzeichnisse sind etwas für Zeitschriftenleser und Suchmaschinen. Ein benutzerfreundliches Webseiten-Layout fasst die zentralen Inhaltskategorien in maximal sieben Menupunkten zusammen, die auf den ersten Blick sichtbar sind. Weniger wichtige Inhalte wie beispielsweise Kontaktangaben oder Preise gehören in die sekundäre Navigation, ebenfalls gut sichtbar platziert, aber weniger dominant. Rechtliche Hinweise und weitere Dinge, die keinen wirklich interessieren, sind im Footer am besten aufgehoben.

In der Kürze liegt die Würze.

Wer fürs Internet schreibt, sollte sich grundsätzlich kurz fassen. Das gilt besonders für Texte, die ein Angebot beschreiben oder den Benutzer durch die Inhalte der Website führen. Ein Buchungsformular auf der Website einer Fluggesellschaft braucht keinen langen Einleitungstext – der wird sowieso nicht gelesen. Hier sollte man sich auf die nötigsten Infos beschränken und auf intuitive Benutzerführung setzen.

Mit Untertiteln nicht sparen!

Fachinformationen wie beispielsweise Wikipedia-Artikel oder Blog-Einträge dürfen ruhig etwas länger sein. Eine grössere Inhaltsmenge ist hier sogar von Vorteil. Wenn sich der Leser wirklich für das Thema interessiert, ist er für ausführliche Informationen dankbar und wird auch eher wiederkommen, wenn er schon einmal profitiert hat. Wichtig ist aber auch hier eine übersichtliche Gliederung. Diese erreicht man am besten mit aussagekräftigen Untertiteln. Zwischentitel dienen nicht nur menschlichen Lesern als Orientierungshilfe, auch Suchmaschinen sind ganz scharf darauf!

Bitte nicht zu kreativ.

Auch sprachlich unterscheiden sich gedruckte Texte von Online-Inhalten. Für die meisten Online-Texte eignet sich ein einfacher, leicht verständlicher Sprachstil am besten. Ausserdem sollte man mit einer zu kreativen Wortwahl vorsichtig sein. Ein gewisses Mass an Unterhaltsamkeit ist in Ordnung, man darf jedoch nicht vergessen, dass Suchmaschinen mit Kreativität nicht viel anfangen können. Suchmaschinen mögen Schlüsselwörter (sogenannte Keywords). Es ist deshalb wichtig, dass die zentralen Begriffe im Text oft genug vorkommen. Wortwiederholungen sind also ausdrücklich erlaubt. Zu originelle Synonyme gehören auf keinen Fall in einen Titel, im Fliesstext gehen kreative Wortschöpfungen noch eher, aber man sollte es nicht übertreiben. Ein Webdesigner ist in erster Linie ein Webdesigner und kein Pixelkünstler. Ganz einfach deshalb, weil die meisten Google-Nutzer nicht besonders einfallsreich sind, sondern hauptsächlich nach Standardbegriffen suchen.

Bitte keine Werbung.

Werbesprache funktioniert in gedruckten Publikationen besser als online. Im Web sind zu reisserische Formulierungen eher kontraproduktiv. Mit Werbesprache vollgestopfte Webseiten wirken unseriös und wecken das Misstrauen der Besucher. Internetnutzer sind vor allem an Fakten interessiert, Manipulationsversuche durchschauen sie. Also: Finger weg von Slogans wie «Wir sind die Besten!» oder «Webdesign von XY bringt Ihnen 1000 Neukunden pro Monat!». Lieber sachlich bleiben und echte Lösungen anbieten. Das wirkt professionell und weckt Vertrauen.

Wofür Broschüren und Flyer doch ganz gut sind

Zugegeben, die Headline am Anfang dieses Artikels ist etwas überspitzt formuliert. Nichts ist für einen Texter mühsamer, als sich einen Text aus den Fingern saugen zu müssen, weil die nötigen Informationen fehlen. Wenn ich für eine Firma einen Internet-Auftritt texten soll und noch keine Online-Texte über das Unternehmen existieren, bin ich für jedes gedruckte Dokument dankbar. Aber eben: nur als Informationsgrundlage. Kopieren geht gar nicht!

2 Kommentare

  • Adones sagt am 31. Mai 2010

    Das ist alles richtig… leute die seiten machen wissen doch sowas alles oder?

  • Barbara Frolik sagt am 31. Mai 2010

    Schön wäre es ;) Es gibt leider viel mehr schlechte als gute Texte im Internet.

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