Für das Schreiben im Internet gelten andere Regeln als für gedruckte Texte. Internet-Nutzer lesen nämlich anders: Sie haben es immer eilig und langweilen sich schnell. Die Auswahl im Netz ist bekanntlich riesengross: Schafft man es nicht, einen Besucher zu fesseln, klickt er sich sofort weiter.
Gerade bei längeren Texten – z.B. bei Blog-Artikeln – ist es deshalb besonders wichtig, in einem Stil zu schreiben, der die Leser weder langweilt noch überfordert. Online-Texte dürfen auf keinen Fall kompliziert und langatmig sein. Sie müssen das Interesse des Lesers wecken und ihn unterhalten. In diesem Artikel erfährst du, wie du deine Leser mit einem lebendigen Schreibstil bei Laune halten kannst.
Egal ob du fürs Netz oder für gedruckte Texte schreibst: Passivsätze solltest du nur in Ausnahmefällen verwenden. Fast immer kann man passive Formulierungen durch aktive ersetzen. Der Text wird dadurch sofort flüssiger, lebendiger und auch kürzer.
Nicht so gut: Die Schafe werden vom Hirten gehütet.
Besser: Der Hirte hütet die Schafe.
Zu viele Fremdwörter stören den Lesefluss. Autoren, die mit Fremdwörtern um sich werfen, wirken ausserdem abgehoben. Keine gute Voraussetzung, wenn man eine gewisse Nähe zum Leser aufbauen will. Manche Fremdwörter haben sich in der deutschen Sprache so eingebürgert, dass man sie fast nicht mehr als solche erkennt. Für die meisten Fremdwörter gibt es jedoch ein besser verständliches und lebendiger klingendes deutsches Wort.
Nicht so gut: Der Hirte resümierte noch einmal, wie seine Aversion gegen Wölfe entstanden war.
Besser: Der Hirte fasste noch einmal zusammen, wie seine Abneigung gegen Wölfe entstanden war.
Verben sind lebendiger als Substantive. Besonders, wenn du über ein Ereignis schreibst, solltest du möglichst viele Verben verwenden. So kann sich der Leser das Ereignis bildhaft vorstellen. Ausserdem solltest du Verben nicht substantivieren. Das klingt nach Beamtendeutsch und langweilt deine Leser.
Nicht so gut: Das Zählen der Schafe dauerte mehrere Stunden.
Besser: Wir brauchten mehrere Stunden, um die Schafe zu zählen.
Auch Adjektive können helfen, Dinge lebendiger zu beschreiben. Allerdings solltest du damit nicht übertreiben. Zu viele Adjektive überfordern den Leser und behindern den Lesefluss.
Nicht immer gut: Die Schafe riefen: «Määäh!»
Manchmal besser: Die Schafe riefen aufgeregt: «Määäh!»
Verwende nicht immer die gleichen Wörter, sondern drücke auch einmal etwas anders aus. Wenn dir kein anderes Wort einfällt, kannst du dich von einem Synonym-Wörterbuch inspirieren lassen. Übertreiben solltest du jedoch nicht. Zu einfallsreiche Wörter verstehen deine Leser möglicherweise nicht. Und für die Suchmaschinenoptimierung ist es manchmal sinnvoll, das gleiche Wort mehrmals zu verwenden.
Nicht immer gut: Die Schafe lagen unter einem grossen Baum.
Manchmal besser: Die Schafe lagen unter einer riesigen Eiche.
Lange Sätze mit vielen Kommas und verschachtelten Teilsätzen regen auch den intelligentesten Besucher nicht zum Weiterlesen an. Niemand hat Lust, einen Satz mehrmals zu lesen, bis er ihn versteht. Mehr als 15 bis 20 Wörter pro Satz sind normalerweise nicht nötig.
Nicht so gut: Die Schafe machten sich – nachdem jedes am Bach seinen Durst gestillt hatte – auf den Weg zur Bergwiese, um dort leckere Kräuter zu fressen.
Besser: Die Schafe stillten am Bach ihren Durst. Danach machten sie sich auf den Weg zur Bergweise. Sie hatten vor, dort leckere Kräuter zu fressen.
Natürlich passen witzige Sprüche nicht zu jedem Thema. Aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, kann ein bisschen Humor sicher nicht schaden. Wetten, dass der Leser, den du zum Schmunzeln gebracht hast, mehr als einmal wiederkommt?
Diese Liste ist natürlich nicht abschliessend. Es gibt viele Möglichkeiten, den eigenen Schreibstil lebendiger zu machen. Hast du weitere wichtige Tipps auf Lager? Dann her damit! Ich bin gespannt auf deinen Kommentar.
Sehr gute Tipps! Gerade bei technischen Beiträgen verfängt man sich oft in fiesen Schachtelsätzen. Leider ist Deutsch zudem eine sehr umständliche Sprache, so kurze knackige Sätze wie in Englisch bekommt man selten hin.
PS: Finde es toll solche Tipps mal für die deutsche Sprache zu haben, lese sonst immer bei copyblogger und Co. Bitte mehr davon :)
Hallo Barbara, vielen Dank für diese tollen Tipps! Ich bin immer auf der Suche nach Verbesserungsvorschlägen für meine Webtexte und Blogartikel.
Deine Tipps werde ich mir also unbedingt merken :-)
Danke für den guten Artikel. Es war gut, sich diese Regeln noch mal ins Gedächtnis zu rufen. Ich hoffe, dass ich das auch umsetzen kann. :-)
Vielen Dank für eure Kommentare :)
@Christian: Stimmt, englischsprachige Blogger und Webseitenbetreiber schreiben tendenziell besser als deutschsprachige. Ich weiss aber nicht, ob das allein an der Sprache liegt. Es gibt auch im englischsprachigen Raum Leute (vor allem Buchautoren und Wissenschaftler), die extrem kompliziert schreiben.
Im Allgemeinen habe ich den Eindruck, dass den Amerikanern gute Webtexte wichtiger sind als den Europäern. Hier wollen sich viele nicht einmal einen guten Designer leisten. Aber das ist ein anderes Thema.
@Ellen und @Wolfgang: Gern geschehen :) Ich denke schon, dass man lernen kann, gut zu schreiben. Den einen fällt es sicher leichter als den anderen. Aber wenn man mal anfängt, auf gewisse Dinge zu achten, macht man manches mit der Zeit ganz automatisch. Viel Spass beim Ausprobieren :)
Vielen Dank für den lehrreichen Artikel! In dem Bereich muss ich noch einiges lernen und das ist ein sehr guter Anfang :-)
@Andi: Vielen Dank :) Also ich finde, dass du ein gutes Sprachgefühl hast und sehr schön schreibst. Deine Artikel gefallen mir sprachlich (und inhaltlich) sehr gut.
Gute Tipps
Doch man kann sie in meinen Augen nur für wenig Themen wirklich so gezielt benützen.
@Andreas: Finde ich gar nicht. Grösstenteils habe ich hier allgemeingültige Grundregeln beschrieben, die man bei allen Texten beachten sollte. Die Nummern 4 und 7 sind etwas spezieller, da gebe ich dir recht.
Danke für die hilfreichen Tipps. Bei manchen Deiner Denkanstöße habe ich meinen Stil wieder gesehen. Ich neige z.B. dazu Wörter einzubasteln, die eben nicht jeder benutzt, vielleicht manchmal zuviel des Guten. Ich gelobe Besserung :-)
Sehr gut und hilfreich! Ich habe ebenfalls Tipps zusammengestellt (bin aber nur auf 6 gekommen) die eine prima Ergänzung zu den bereits genannten darstellen.
http://www.artefactur.com/download/6_Tipps_fuer_frische_Texte_Artefactur_Web.pdf