Ein etwas ketzerischer Titel, zugegeben. Spontan würden die meisten von uns – Texter eingeschlossen – wahrscheinlich antworten: Ja, ist doch klar! Einen eigenen Schreibstil zu haben ist etwas vom Wichtigsten für jeden Texter. Doch logischerweise würde ich diese Frage nicht stellen, wenn die Antwort darauf wirklich so eindeutig wäre. In diesem Artikel möchte ich das Thema aus einer etwas anderen Perspektive beleuchten und erklären, wieso der eigene Schreibstil nur halb so wichtig ist, wie manche denken.
Mit Anfragen wie dieser dürfte wohl jeder Texter seine Erfahrungen haben. Ist ja auch nichts dagegen einzuwenden. Jeder Kunde hat schliesslich das Recht, sich vor einem Erstauftrag ein Bild davon zu machen, welche Textqualität ihn erwartet. Doch damit nicht genug: «Wir möchten wissen, ob Ihr Schreibstil für unser Projekt passend ist.» Spätestens mit dieser Bemerkung habe ich jeweils meine Mühe. Denn sie zeigt, dass viele Leute keine Ahnung davon haben, was einen guten Texter auszeichnet.
Etwas provokativ gesagt: Der eigene Schreibstil ist etwas für Schriftsteller, Philosophen und alle, die hauptsächlich für sich selbst schreiben. Die hohe Kunst des Werbetexters ist es, sich wie ein Chamäleon an die individuellen Bedürfnisse jedes Kunden anzupassen. Oder besser ausgedrückt: auf die der jeweiligen Zielgruppe.

Bild: stock.xchng
In den letzten vier Jahren habe ich für die unterschiedlichsten Kunden und Zielgruppen getextet: bürgerlich-konservative Staatsbetriebe, aufgeweckte Kinder und Jugendliche, Luxusliebhaber, Schnäppchenjäger, Informatik-Freaks, gesundheitsbewusste Mütter, gestresste Geschäftsleute. Die einen Kunden wollen ihre Texte möglichst sachlich und informativ, die anderen stehen auf Witz und Kreativität, wieder andere mögen es kompromisslos reisserisch.
Kommt noch dazu, dass Text nicht gleich Text ist. Webseite, Newsletter, Zeitschriftenartikel, Flyer, Mailing, Flash-Game, Pressemitteilung, Web-Applikation: Jede Textsorte stellt ihre besonderen Anforderungen an den Texter.
Da nützt ein eigener Stil herzlich wenig. Die wichtigste Aufgabe des Texters ist es, sich in die Bedürfnisse des Kunden einzufühlen, ihn wenn nötig auch zu beraten und den optimalen Stil für jedes einzelne Projekt zu finden.
Das heisst jedoch nicht, dass ein guter Texter seine ganze Individualität aufgeben muss. Im Gegenteil: Es lohnt sich, eigene Vorlieben und Stärken zu entdecken und zu entwickeln. Als Spezialist für bestimmte Textsorten oder Themengebiete hat man es einerseits leichter, sich auf dem Markt zu positionieren, andererseits macht das Texten ganz einfach mehr Spass, wenn man sich auf das konzentrieren kann, was man wirklich gerne macht. Aber auch der Kunde hat von der Spezialisierung seinen Nutzen. Erfahrende Experten liefern in der Regel nicht nur bessere Qualität, sondern sind auch motivierter und schneller.
Was denkst du? Wie wichtig ist es für einen guten Texter, einen eigenen Schreibstil zu haben? Welche Ausnahmen gibt es? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!
Ich sehe das im Prinzip genauso wie du! Als Texterin habe ich auch immer wieder Mühe, Textproben zur Durchsicht zu versenden auf die Frage “wir wollen wissen, ob Ihr Schreibstil zu uns passt”. Ich biete dann meist an, einen individuellen Artikel anzufertigen – als günstigen oder kostenlosen Probetext.
Gerade Texter müssen flexibel sein, sich auf ihre Auftraggeber einstellen und den Schreibstil wechseln können – je nach Zielgruppe, Thematik und Publikationsmedium.
Schreibe ich als Journalistin Kommentare, Glossen oder Kolumnen, dann darf ich hier durchaus meine eigene Note setzen. Bei Auftragsarbeiten, insbesondere Werbe- und Pressetexten, muss der eigene Stil jedoch weitgehend außen vor bleiben.
Nichtsdestotrotz wird man es nicht gänzlich schaffen, seine Individualität zu verbergen – Wortwahl, Satzbau, Textaufbau haften ja doch irgendwo jedem Texter charakteristisch an, oder?
Hallo Barbara, wieder ein wirklich interessanter Beitrag :-)
Ich bin ja keine Profi-Texterin ;-), aber die Problematik kann ich dennoch gut nachvollziehen. Den Vorschlag von Clarissa, einen kurzen Probetext vorzubereiten finde ich super, auch wenn das ein bisschen mehr Arbeitsaufwand bedeutet.
Viele Grüße
Ellen
Herzlichen Dank für eure Kommentare :)
@Clarissa: Ja, ich denke, da hast du schon recht. Es ist nicht möglich, den eigenen Stil gänzlich zu verbergen. Ein kleines Stück Individualität bleibt immer, aber das ist auch gut so.
@Clarissa & Ellen: Kostenlose Probetexte gibt es bei mir normalerweise nicht. Wenn das Vertrauen von Anfang an nicht da ist, ist das sowieso nicht die beste Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit. Wenn ein Dauerauftrag in Aussicht steht, kann man es sich je nachdem überlegen.
ne muss nicht sein meinber meinung nach.soviele schriftarten wie texter gibs nicht :D