Konkurrenz ist in der heutigen Wirtschaftswelt ein beliebtes Stichwort. Wenn man Erfolg haben will, muss man entweder besser oder billiger arbeiten als die Konkurrenz. Oder man sucht sich ein Tätigkeitsfeld, in dem die Konkurrenz nicht so zahlreich ist.
Konkurrenz belebt das Geschäft, hört man ab und zu. Ein Stück weit mag dies stimmen, doch nur dann, wenn man das Wort «Konkurrenz» richtig versteht.
Konkurrenz kann sich durchaus positiv auswirken. Beispielsweise dann, wenn der Wettbewerb die Anbieter dazu motiviert, ihre Produkte immer besser zu machen. Oder wenn Produkte erst für einen grösseren Kundenkreis bezahlbar werden, wenn kein Unternehmen mehr überhöhte Preise verlangen kann. Der Wettbewerb kann auch etwas Spielerisches haben. Die Suche nach neuen Produkten, die beim Zielpublikum gut ankommen, regt die Kreativität an und führt dazu, dass ständig Neues entsteht.
Konkurrenzdenken wird dann problematisch, wenn es mit Angst und Minderwertigkeitsgefühlen verbunden ist. Wenn man davon überzeugt ist, dass es nicht genug (Erfolg, Geld, etc.) für alle gibt, werden Konkurrenten zu Feinden. Oder man sieht in allen Menschen nur noch potenzielle Geldgeber.
Die Verhaltensweisen, die aus übertriebenem Konkurrenzdenken entstehen, kommen bei anderen verständlicherweise nicht besonders gut an. Einige werden durch Konkurrenzdenken arrogant, andere werben besonders aufdringlich für ihre Produkte oder Dienstleistungen. Im besten Fall wirkt man dabei verzweifelt, was etwas sympathischer ist, jedoch garantiert nicht mehr Aufträge einbringt.
Konkurrenzdenken kann auch dazu führen, dass man in die Opferrolle schlüpft. In diesem Fall richtet man keine Aggressionen nach aussen, sondern bestraft sich selbst mit der Überzeugung, man sei nicht gut genug, um mit anderen mitzuhalten. Die Folge: Man unterbietet die Konkurrenz mit niedrigen Preisen.

Bild: stock.xchng
Manche verkaufen dadurch wirklich mehr, der Preis dafür kann jedoch ziemlich hoch sein. Einerseits schadet man dem eigenen Selbstbewusstsein noch mehr, wenn man sich selbst einredet, nur wegen billiger Preise begehrt zu sein. Andererseits zieht man mit dieser Strategie genau die Kunden an, die es nötig haben, andere auszunutzen. Nicht zuletzt führen zu niedrige Preise dazu, dass man zu viel arbeiten muss, weil man sonst die Kosten für unproduktive Tätigkeiten, Versicherungen, Werbung, etc. nicht mehr decken kann.
Wer sich ausnutzen lässt, wird früher oder später dazu gezwungen sein, selbst auszunutzen. Denn wenn man nicht viel hat, kann man nicht viel geben. Umgekehrt gilt: Wer viel gibt (in Form von Geld, Arbeit oder anderen Dingen), bekommt auch viel.
Wenn zu viele ihre Arbeit zu billig anbieten, beginnt das Problem erst richtig. Der ganze Markt leidet, und immer mehr Anbieter ziehen mit Billigpreisen nach. Mit all den oben genannten Konsequenzen. Ein Teufelskreis. So geschehen auf dem Textermarkt in meinem nördlichen Nachbarland.
Wer mit einer selbständigen Tätigkeit erfolgreich sein will, muss sich unbedingt angewöhnen, eine professionelle Geschäftsfrau oder ein professioneller Geschäftsmann zu sein. Das fängt bei der inneren Einstellung an und hört beim äusseren Auftreten auf. Man muss einerseits realistisch kalkulieren und sich andererseits selbstbewusst präsentieren können. Das heisst unter anderem:

Bild: stock.xchng
Die Wahrheit ist, dass du immer das bekommst, von dem du denkst, dass du es verdient hast. Deshalb kann man auch in einem stark umkämpften Markt erfolgreich sein, wenn man es richtig macht. Treffe nie irgendwelche Entscheidungen aus Angst oder aus einem Minderwertigkeitsgefühl heraus. Dann hast du schon viel gewonnen!
Was geht dir durch den Kopf, wenn du über dieses Thema nachdenkst? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Ich freue mich auf deinen Kommentar.
Ich finde, Du hast es mit diesem (sehr schönen Text) auf den Punkt gebracht. Ich werde auch gern von “potentiellen” Kunden mit den Preisen indischer Programmierer konfrontiert. Mein Brot muss ich aber hier kaufen…
Schöne Gedanken und gute Tipps, Barbara. Ich sehe das genauso.
Das Konkurrenzdenken ist so schrecklich unentspannt. Schöner ist es, wenn man seinen Platz gefunden hat, sich dort wohl- und einzigartig fühlt.
Dass ein bisschen Marktbeobachtung dazu gehört ist ja klar. Aber immer Stress haben wegen der Mitbewerber muss nicht sein.
Ich arbeite mit vielen tollen Leuten – auch Textern – zusammen, die ich mir nach Sympathie und Können aussuche. Ober besser gesagt: Wir finden uns gegenseitig.
Dadurch entstehen Projekte, die Spaß machen und dem Kunden mehr bringen, als wenn man alles allein vor sich hin wurschtelt aber nix richtig kann.
Hallo Barbara, ein sehr schöner Artikel und Tipps die unbedingt jeder beherzigen sollte.
Ein Punkt der meiner Meinung nach fehlt, den du aber vielleicht bewusst herausgelassen hast , ist das Netzwerken.
Gute Kontakte , auch die im eigenen Tätigkeitsbereich , können früher oder später zu Geschäftspartnern werden. Also getreu dem Motto: “Nicht gegeneinander, sondern miteinander”.
Ansonsten ist alles dazu im Artikel gesagt.
Gute Arbeit.
Ein optimales Arbeitsklima wäre nach meinem Geschmack nach eine Art gute Kollegenverhältnis – In welchen man auch ausserhalb eines Projektes nach dem Wohl fragt. Natürlich wie oben bereits schon genannt das man sich in dieser indirekten “Freundschaft” nicht unter Wert verkauft.
Vielen Dank für die vielen Kommentare :)
@realloc: Diese Situation kenne ich. Solche Low-Budget-Projekte überlasse ich gerne anderen. Ist ja wirklich blöd, so viel Zeit zu blockieren, wenn man sie mit besser bezahlter Arbeit füllen kann.
@Ursula: Da kann ich nur zustimmen. Wenn man selbstbewusst und mit viel Freude geschäftet, zieht man automatisch die Leute an, die zu einem passen. Ich habe auch schon manche Partner auf diese Weise gefunden :)
@Marcel: So etwas Ähnliches meinte ich mit dem Stichwort «Zusammenarbeit». Ich habe ja schon öfter über das Thema Netzwerken geschrieben und sehe das genau so wie du. Netzwerken ist unheimlich wichtig. Ich habe auf diese Weise gute Freunde, Partner und auch Kunden gewonnen. Wenn man miteinander arbeitet, macht alles viel mehr Spass :)
@Micha: Das hast du schön gesagt. Ja, solche Freundschaften sind sehr wertvoll. Mit solchen Leuten arbeite ich sehr gerne zusammen. Gerade wenn man als Freelancer alleine im Büro sitzt, ist es schön, andere Selbständige als «Kollegen» zu gewinnen, mit denen man nicht nur arbeitet, sondern sich auch persönlich austauscht.
Liebe Barbara, ein wunderbarer Artikel :-) Du hast es wirklich auf den Punkt gebracht. Ich habe selbst schon oft erlebt, wie Konkurrenzdenken viele Möglichkeiten zu nichte gemacht hat. Man kennt das ja schon aus der Schul- und Studiumzeit. Und im Job geht es dann gerade so weiter ;-)
Gerade in der Welt der Freelancer finde ich es besonders wichtig, zusammen zu arbeiten und nicht gegeneinander. So können sich sich tolle Netzwerke bilden , und man kann gemeinsam auch größere Projekte realisieren, sich gegenseitig motivieren und von einander lernen. Gemeinsam sind wir stark :-)
Ich denke auch, wie Ellen schon gesagt hat das eine Zusammenarbeit unter Freelancer sehr wichtig ist. Schlussendlich profitieren dann alle. Einerseits muss man ja auch nicht immer denken, dass man alles selber machen muss. Eingestehen das man etwas nicht kann und dies dann mit jemanden macht, welcher einfach besser auf dem Gebiet ist, mag wohl nicht immer einfach sein. Dennoch ich finde, Freelancer sollte miteinander gehen und ein Netzwerk ist immer gut :)!
Was mich mehr stört und ich immer wieder erlebe, sind jene die einfach denken man macht das ja zum Spass und Geld brauchen die ja eh nicht. Vor allem als Musiker erlebe ich das. Und nach wie vor ist der Beruf Musiker nicht so anerkannt.
Es stimmt schon, dass ich Spass an meinem Beruf habe, aber auch ich muss überlebe und man muss dies immer wieder klarstellen.
Ach ja, Danke für diesen Artikel :)
Vielen Dank auch an Ellen und Dave :)
@Ellen: Stimmt, in der Schule wars auch nicht immer ganz leicht ;) Am Anfang meiner Zeit als Selbständige habe ich mich über Leute mit übertriebenem Konkurrenzverhalten noch aufgeregt. Heute tun sie mir höchstens leid. Wie gesagt, mit Zusammenarbeit erreicht man mehr. Für sich selbst und andere.
@Dave: Genau so ist es. Egal wie viel Spass man an seiner Tätigkeit hat, man muss immer Geschäftsmann/Geschäftsfrau bleiben. Nur vom Spass kann man ja nicht leben.
Wie gehst Du mit Kunden um, die versuchen, Dich im Preis zu drücken, allenfalls auch nachträglich oder nach einem ersten Auftrag?
@Martin: Da hilft eigentlich nur eins: Selbstbewusst bleiben und sich nicht verunsichern lassen. Anfangs war das für mich genauso schwierig wie für viele. Seitdem ich keine Hemmungen mehr habe, zu meinen Preisen zu stehen, bleiben Kunden dieser Art automatisch weg.
Stimmt, im Grossen und Ganzen funktioniert das. Ausserdem verwende ich wo immer möglich den «Vorschuss»-Test. Wer bereits da grosse Augen macht …