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Wieso verwenden die Schweizer eigentlich kein ß?

27. Januar 2010 . von Barbara Frolik . 16 Kommentare

Wenn du zu meinen zahlreichen Blog-Lesern aus Deutschland gehörst, hast du dich vielleicht schon mal gefragt, wieso ich konsequent «ss» statt «ß» schreibe? Nein, es liegt nicht daran, dass ich eine schlechte Texterin bin ;) Es ist ganz einfach so, dass die Schweizer schon seit langer Zeit kein Eszett mehr verwenden. Wieso eigentlich?

Das Eszett in der Schweiz

Der Einzug des ß in die deutsche Sprache

Das Schriftzeichen ß gibt es seit dem Ende des 13. Jahrhunderts. Es bildete sich aus einer Ligatur aus langem ſ und kleinem z, teilweise auch aus langem ſ und kleinem s. Der Laut «sz» wurde zu dieser Zeit anders ausgesprochen als das «ss». Später fielen die beiden Laute zusammen, die deutsche Rechtschreibung unterschied aber weiterhin zwischen dem ß und dem ss. Diese Regeln galten über lange Zeit im gesamten deutschen Sprachraum, also auch in der Schweiz.

Das Verschwinden des ß in der Schweiz und in Liechtenstein

In der Schweiz und in Liechtenstein verschwand das ß ab dem Jahr 1906 allmählich aus den Zeitungen und Büchern. Es dauerte jedoch recht lange, bis sich die einheitliche Schreibweise ss durchsetzte. Erst 1974 entschied sich die Neue Zürcher Zeitung als letztes Nachrichtenblatt, auf das ß zu verzichten. Ganz offiziell wurde das Eszett erst im Zuge der Rechtschreibreform von 2006 abgeschafft.

Wieso gibt es in der Schweiz kein ß mehr?

Wenn du dir eine klare und eindeutige Antwort auf diese Frage erhoffst, muss ich dich leider enttäuschen. Wieso die Schweizer kein ß mehr verwenden, weiss nämlich niemand so genau.

Die häufigste Vermutung: Das Verschwinden des ß hängt mit der Verbreitung der Schreibmaschine zusammen. Da es in der Schweiz mehrere Amtssprachen gibt und die Schweizer Einheitstastatur neben den deutschen Umlauten auch die wichtigsten Sonderzeichen der französischen und italienischen Sprache enthält (à, é, ç, etc.), war für das ß einfach nicht mehr genug Platz da. Einen eindeutigen Beleg für diese Theorie gibt es bis jetzt nicht.

Andere vermuten, dass die Schweiz dank ihrer Vielsprachigkeit ganz einfach offener für die internationalisierende Schreibweise ss war. Nochmals andere versuchen das Verschwinden des ß mit sprachlichen Besonderheiten der Schweizer Dialekte zu erklären.

Wer recht hat, kann keiner genau sagen. Wahrscheinlich war es wie so oft ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die das Eszett allmählich aus der Schweiz vertrieben haben.

Deine Meinung ist gefragt!

Was hältst du von der ganzen Geschichte mit dem ß? Findest du, die Schweizer das Eszett wieder einführen sollen? Oder wäre es dir lieber, wenn der gesamte deutsche Sprachraum in Zukunft darauf verzichten würde? Ich bin gespannt auf deine Meinung!

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16 Kommentare

  • Jeffrey sagt am 27. Januar 2010

    Ich komme selber aus Liechtenstein und verwende das “ß” eigentlich auch nicht.

    Ausser in meinen Blogbeiträgen ab und an, da ich da die Rechtschreibprüfung vom Windows Live Writer benutze und naja, da wird einem halt das “ß” vorgeschlagen :)

  • Alexander sagt am 27. Januar 2010

    Meinetwegen könnte ich gerne auf das “ß” verzichten. Eine zeitlang hatte ich mir sogar die Umlaute abgewöhnt da ich ein englisches Tastaturlayout genutzt habe, nur im geschäftlichen Emailwechsel ist es leider auf Dauer etwas merkwürdig für die nicht-Techies ;-)

  • Rolf Landolt sagt am 28. Januar 2010

    > Wieso die Schweizer kein ß mehr verwenden, weiss nämlich niemand so genau.
    Wieso wir alle kein lang-s (ſ, «ausſchließen») mehr verwenden, weiss auch niemand so genau. Letztlich ist es eine historische zufälligkeit beim übergang von der fraktur auf die antiqua. Da dieser übergang in der Schweiz anders verlief als in Deutschland (sie überlebte zwar länger als andernorts, war aber viel früher auf dem rückzug), sehe ich darin einen hauptgrund. Einen grossen einfluss hatte zweifellos auch die schreibmaschine.

    Rolf Landolt
    http://www.rechtschreibreform.ch

  • Barbara sagt am 28. Januar 2010

    Vielen Dank für eure Kommentare :)

    @Jeffrey: Mein Word treibt manchmal auch solche Scherze mit mir ;)

    @Alexander: Das mit den englischen Tastaturen kenne ich auch. Jedes Mal, wenn ich in Kanada bin, verzweifle ich fast an den Umlauten.

    @Rolf Landolt: In einem Artikel habe ich gelesen, dass das ß seit dem Ende des 19. Jh. auch in den Antiquaschriften verwendet wurde. Die Abschaffung des ß erfolgte ja erst später. Ich bin jedoch keine Germanistin, kann das deshalb nicht so genau beurteilen. Vielen Dank jedenfalls für die wertvolle Ergänzung!

  • Ellen sagt am 28. Januar 2010

    Hallo Barbara, vielen Dank für diesen interssanten Beitrag. Mhh, ich glaube ich hätte auch nichts dagegen, das ß aus der deutschen Rechtsschreibung zu verbannen. Ich habe nämlich auch immer Probleme auf englischen Tastaturen und Handys ;-)

  • Barbara sagt am 28. Januar 2010

    @Ellen: Irgendwie überrascht es mich nicht, dass auch viele Deutsche nicht so sehr am ß hängen. Ja, auf internationalen Tastaturen können unsere Sonderzeichen schon ein bisschen mühsam sein :)

  • Micha sagt am 28. Januar 2010

    Ohne “sz” / “Rucksack-S” / “ß”:

    Die Maßeinheit dann die Masseinheit oder die Maszeinheit?

    Groß dann gross oder grosz?

    Ich weiß es nicht oder ich weiss es nicht bzw. ich weisz es nicht.
    Zweiteres dürfte auf politischer Ebene Ärger geben. ^^

    Ich bin ja noch fest überzeugt das es in den Händen der Typografen liegt das Rucksack-S aussterben zu lesen – Wenn Kindle DX & Co. mehr zum Alltag werden, um bspw. aktuelle Zeitungsartikel etc. zu lesen.

    ps.:
    Ich wollte mir mit dem oben genannten mal einen kleinen Spaß/Spass/Spasz erlauben – Also bitte nicht ernstnehmen

    DANKE für den interessanten Artikel, in Wikipedia gibt es als Ergänzung auch noch interessantes.

  • Barbara sagt am 29. Januar 2010

    @Micha: Keine Sorge, ich habe deinen Spass (oder wie auch immer man das jetzt schreiben will) schon richtig verstanden :)

  • frakturfreak sagt am 25. Februar 2010

    Ach eigentlich wäre es doch ganz ſchön, wenn ihr wieder ein ß, verwenden würdet, zumal es es jetzt auch in groß gibt: ẞ, mit einer guten Taſtaturbelegung gut einzugeben und ſogar das ſ @Rolf Landolt ;-) http://neo-layout.org/

  • Norbert Nigg sagt am 23. Juni 2010

    @Micha: Wenn wir das Ding sz nennen, warum schreiben wir nicht sz? Mir wäre das die angenehmste Lösung. Wir könnten Busse und Busze, Masse und Masze unterscheiden und kämen ohne ß aus!

  • Frank sagt am 28. Februar 2011

    Meiner Meinung nach sollte das ß erhalten bleiben, denn anstatt des “ss” ist es doch eine gelungene Abkürzung. Zudem denke ich, dass in der Schweiz die Umlaute wichtiger waren wie beispielsweise auf den Schreibmaschinen, sodass ß verloren gegangen ist.

  • Georgy sagt am 7. September 2011

    Als nicht Deutschsprachiger habe ich mich immer gefragt, was ein griechischer Buchstabe im deutschen Alphabet sucht. Erst später habe ich gelernt, dass das eine Ligatur aus zwei Zeichen ist. Ich finde den Buchstaben schön und würde ihn weiterhin verwenden. Ich würde aber sehr gerne die Artikel abschaffen. Was haltet ihr davon? In Österreich werden sowieso die englischen Begriffe fast immer ge-das-t, was in Deutschland immer wieder auf Unverständnis stößt…

  • susi sagt am 15. September 2011

    Beim Lesen der Schweizer Zeitungen hat es mich anfangs ziemlich verwirrt, dass in der Schweiz jemand Busse (Buβe) zahlen muss. Oder auch dass es nur Masse (und keine Maβe) gibt.
    Alles in allem würde ich es befürworten, wenn es kein β mehr geben würde, da es auf den meisten Tastaturen gar nicht vorhanden ist und nur in wenigen Ländern gebraucht wird. Aber andererseits haben andere Sprachen genau solche Eigenheiten (z.B. das ñ im spanischen oder das ï im französischen).

  • Rolando sagt am 11. November 2011

    @Barbara – toller Blog – lese gerne bei Dir! – Danke

    Ich hab´das ß eigentlich ganz gerne, da es einem anzeigt, dass das vorhergehende Vokal lang ist und ich im Busse sitzend Buße tun kann.
    Auch bei Maß/Maße und Masse/Massen kann es schon mal zu irritationen kommen. Vor allem dann, wenn man z.B. Alkohol in Maßen oder in Massen zu sich nehmen soll…:-)

  • Schwitzen sagt am 4. Januar 2012

    Hab ich mich auch schon immer mal gefragt, danke!

  • LMB sagt am 18. Januar 2012

    It would be a good idea to get rid of ß to improve the image of the German language. Yes, it may sound funny, but you know, German is not considered a very attractive language, and it’s bad for the economy: the easier the language, the more educated people come to Germany, the better for Germans.

    So doing anything to make the language feel easier to learn is good. Frist step was to allow ae instead of ä etc. It does not matter at all if “Busse” come from Bus or Buss, one understands it from the context.

    susi: ï in French is not used very much. Don’t be naï ve ;)

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