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Grillen oder grillieren? Ein kleines Schweizer Schriftdeutsch-Lexikon

22. Juni 2010 . von Barbara Frolik . 13 Kommentare

Seit ich mich erinnern kann, erlebe ich immer wieder, dass viele meiner nördlichen Nachbarn es unheimlich lustig finden, wenn meine Landsleute ihr bestes Schweizer Hochdeutsch auspacken. Vom oftmals ganz schrecklichen Akzent mal abgesehen: Hochdeutsch ist nicht gleich Hochdeutsch. Auch in der Schriftsprache verwenden wir hierzulande Wörter, die nicht jeder Deutsche einfach so versteht. Ein paar Kostproben bzw. Übersetzungshilfen habe ich heute für euch zusammengestellt. Viel Spass!

Schweizer Hochdeutsch
Bild: Flickr, twicepix

Essen

  • Gipfeli = Hörnchen, Croissant
  • grillieren = grillen
  • Guetzli = Plätzchen oder Keks
  • Hahnenwasser = Leitungswasser
  • Kartoffelstock = Kartoffelpüree
  • Müesli = Müsli
  • Nüsslisalat = Feldsalat
  • Peperoni = Paprika
  • Teigwaren = Nudeln

Berufe

  • Abwart = Hauswart
  • Coiffeur = Friseur
  • Pöstler = Postbote
  • Redaktor = Redakteur
  • Serviertochter = Kellnerin

Haus und Haushalt

  • Abwaschmaschine = Geschirrspüler
  • Cheminée = Kamin
  • Estrich = Dachboden
  • Parterre = Erdgeschoss
  • Spital = Krankenhaus
  • Türfalle = Türklinke
  • Tumbler = Wäschetrockner
  • zügeln = umziehen

Verkehr

  • Billett = Fahrkarte
  • Fahrausweis = Führerschein
  • Garage = Autowerkstatt
  • Kondukteur = Schaffner
  • Occasion = Gebrauchtwagen
  • parkieren = parken
  • Pneu = Autoreifen
  • Töff = Motorrad
  • Trottoir = Bürgersteig
  • Velo = Fahrrad

Weitere Begriffe

  • Auffahrt = Christi Himmelfahrt
  • Ausgang = ausgehen am Abend
  • Goal = Tor (Fussball)
  • herzig = niedlich
  • Hühnerhaut = Gänsehaut
  • Identitätskarte = Personalausweis
  • Leerschlag = Leerzeichen
  • Natel = Handy
  • Quartier = Stadtteil
  • Sack = Tüte
  • Sackmesser = Taschenmesser
  • Samichlaus = Nikolaus
  • Schmutzli = Knecht Ruprecht
  • Steueramt = Finanzamt
  • tönen = klingen
  • Trainer = Trainingsanzug

Doch damit noch nicht genug: die Schweizer und das ß

Einige von euch wissen es vielleicht schon: Die Schweizer haben das ß schon vor langer Zeit aus ihrem Sprachschatz verbannt. Wieso das so ist, erfährst du in diesem Artikel:
Wieso verwenden die Schweizer eigentlich kein ß?

Weitere Infos zum Thema

» Sammlung schweizerdeutscher Dialektwörter
» Helvetismus (Wikipedia)
» Schweizer Hochdeutsch (Wikipedia)

13 Kommentare

  • Tina sagt am 23. Juni 2010

    Abwaschmaschine, Töff und Türfalle gefallen mir am besten!

    Sehr schöne Liste, die dem einen oder anderen noch hilfreich sein wird. ;-)

    Liebe Grüße
    Tina

  • Philipp Zumbühl sagt am 24. Juni 2010

    Wirklich tolle Liste! Lustig finde ich auch, dass unser Trick 77 in Deutschland Trick 17 heisst :-)

  • Birgitta sagt am 24. Juni 2010

    Wirklich gelungen – diese Liste! Ich bin Deutsche, wohne in Spanien, mein Mann ist Niederländer, meine Nachbarn sind Briten und Spanier und die Gäste meiner Ferienwohnung sind manchmal auch Schweizer. Wie wir untereinander sprechen? Na- EUROPÄISCH,
    ein bisschen so wie diese Liste. ;-)

  • Barbara Frolik sagt am 24. Juni 2010

    Vielen Dank euch allen für die Kommentare :)

    @Tina: Bis vor ein paar Tagen wusste ich noch gar nicht, dass es in Deutschland keine Türfallen gibt ;)

    @Philipp: Merci für die Ergänzung. Das wusste ich auch noch nicht.

    @Brigitta: Europäisch klingt nach einer tollen Sprache. Erinnert mich ein wenig an meine Aufenthalte in Kanada. Mein Bruder lebt dort mit seiner Frau, die aus Taiwan kommt und eine japanische sowie eine koreanische Freundin hat. Selbstverständlich sprechen wir dann alle Englisch, Schwyzerdütsch und Mandarin dienen nur der allgemeinen Belustigung ;)

  • Manuel sagt am 24. Juni 2010

    Hallo Barbara,
    das ist echt eine super Liste und sehr informativ. Mir gefällt sehr Schmutzli und Samichlaus :) Vor denen Zwei hätte ich bei diesen netten Namen bestimmt keine Angst gehabt :)
    Viele Grüße
    Manuel

  • Barbara Frolik sagt am 25. Juni 2010

    @Manuel: Hihi … also ich hatte als Kind Angst vor dem Samichlaus ;)

  • Ellen sagt am 25. Juni 2010

    @Barbara: Vielen Dank für diese tolle Liste! Es sind wirklich sehr interessante und auch lustige Wörter dabei :-)

    Ich liebe Sprachen und finde es immer wieder faszinierend, unterschiedliche Wörter in den verschiedenen Dialekten zu vergleichen? Wie sagt man den in der Schweiz für Hausschuhe oder Apfelbutzen?

    Mein Schweizer Favorit ist übrigens Töff, heißt Moped nicht Töffli? Love it :-)

    Liebe Grüße
    Ellen

  • Barbara Frolik sagt am 25. Juni 2010

    @Ellen: Hausschuhe nennen wir in der Schweiz Finken. Das Wort Apfelbutzen habe ich selbst noch nie gehört … habe es aber gerade nachgeschlagen ;) Auf Schwyzerdütsch nennen wir sie Bütschgi oder Gigertschi, je nach Dialekt. Und ja, Moped heisst bei uns Töffli :)

  • Ellen sagt am 25. Juni 2010

    Hihi, das ist sooooooo genial :-) Ich liebe Dialekte! Für Bütschgi sagt man auf Hessisch glaube ich Grotzen, brrr, und meine Mama sagt zu Hausschuhen immer Puschen, herrlich ;-)

  • Stefan sagt am 29. Juni 2010

    @Tina: “Finke” sind bei uns so die Hausschuhe die man in den Kindergarten mitnehmen musste. Zuhause trage ich dann “Schlarpe” :)
    Und dazu auch speziell, der “Schlarpezwick”, in anderen Sprachregionen auch Schuhmacher genannt…

  • Barbara Frolik sagt am 30. Juni 2010

    @Stefan: Du sprichst etwas Wichtiges an. DAS Schwyzerdütsch gibt es gar nicht. Wir haben ja so viele verschiedene Dialekte. Kaum zwei Menschen sprechen genau gleich.

    Mein Dialekt ist ein ziemliches Gemisch. Meine Mutter stammt aus dem Emmental, so habe ich als Kind zuerst Emmentaler-Dialekt gelernt. Aufgewachsen bin ich im Aargau, habe aber auch schon im Züri Oberland und in Basel gewohnt.

    Das Wort «Schlarpe» verwende ich eigentlich nicht. Wenn, dann eher im abschätzigen Sinne. Für mich sind alle Hausschuhe «Finke» :)

  • Stefan sagt am 30. Juni 2010

    @Barbara: Jo (ich wohne übrigens am Rand vom Emmental *g*), ich habe auch schon in allen möglichen Gegenden gearbeitet, und immer wieder was aufgeschnappt. Seit ein paar Jahren arbeite ich in Zürich und in letzter Zeit kommen vermehrt Ostschweizer in unsere Abteilung, das ist hart :)
    Die meisten aufgeschnappten Worte verliere ich aber wieder, wenn ich nicht mehr in der Region tätig bin, oder wenn ich mit Leuten aus meiner Gegend spreche.
    Meine Ex-Frau fand immer lustig, dass wenn ich mit den Kindern schimpfte, ich in breitestes Berndeutsch verfallen bin…

  • Edelgard Romacker sagt am 8. Oktober 2011

    Alles, was hier zu lesen ist, fand ich informativ und zum Teil lustig. Im Hotzenwald (südlichster Schwarzwald ungefähr gegenüber dem Aargau) sagte man früher auch Finke zu Hausschuhe. Weiss jemand die Herkunft, den Ursprung dieses doppeldeutigen Wortes?
    Herzlichen Dank!

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